Beurteilen als eine alltägliche Führungsaufgabe

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Es ist eine alltägliche Führungsaufgabe, sich ein Bild über die Leistungen oder die Persönlichkeit eines anderer zu machen und ihn gemäß diesen Einschätzungen zu behandeln. Betrachten wir den (Beurteilungs-)Alltag einer Sachgebietsleiterin:

  1. Der Ausbildungsleiter hat mich gebeten, ihm behilflich zu sein. Er sucht einen Dozenten, der das Fach Haushaltsrecht bei den Auszubildenden unterrichtet. Herr Maier – der hat doch davon Kenntnisse, ich glaube, er könnte es auch ganz gut rüber bringen - ich glaube, ich werde ihn mal persönlich ansprechen.

  2. Personalauswahlverfahren – heute haben wir das Personalauswahlverfahren für die Stelle Leitung des Organisationsreferates. Ich soll meinen Chef dabei vertreten.  Es haben sich 8 Personen beworben. Wird sicherlich nicht einfach sein, den richtigen Mann / die richtige Frau dafür auszuwählen.

  3. Gespräch am Kantinentisch – "Übrigens: Ihr habt doch da jetzt eine neue Mitarbeiterin in eurer Abteilung – wie stellt die sich eigentlich an?" "Ach die Frau Sanoz, die ist ganz pfiffig. Die hat sich total schnell eingearbeitet. Bald schmeißt sie den ganzen Laden alleine."

  4. Ach wie die Zeit vergeht – sind die drei Jahre denn schon wieder um. Jetzt muss ich wieder die Regelbeurteilungen für alle erstellen. Das wird Arbeit, mit allen Mitarbeitern ein Gespräch führen, die Beurteilungsvordrucke sauber ausfüllen und dann noch die ganzen Abstimmungsgespräche.

  5. Auf der Sachgebietsleitersitzung berichtet der Abteilungsleiter: "Auch in diesem Jahr wird der Verwaltungsvorstand wieder 10 % unserer Mitarbeiter/innen mit einer Leistungsprämie auszeichnen. Ich wäre dankbar, wenn Sie als Sachgebietsleiter/innen mir erste Vorschläge machen. Bitte begründen Sie Ihre Vorschläge kurz und leiten sie mir diese bis zum Ende des Monats zu. Sie kennen doch Ihre Mitarbeiter/innen am besten."

  6. Meine Mitarbeiterin, Frau Biersbach, will nach München zu ihrem Lebenspartner ziehen. Sie sucht jetzt dort eine Stelle. Sie hat mich gebeten, ihr ein Zwischenzeugnis zu schreiben. Diesen Gefallen tue ich ihr gerne, wenn ich sie natürlich auch ungern ziehen lasse.
© Prof. Dr. Frank Dulisch
 
 
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