Fragen zum Lernprogramm Beurteilungspsychologie

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Das Internet lebt von der Kommunikation. Der Autor erhält Rückmeldungen und Fragen zu seinen Seiten. Einige häufig gestellten Fragen zu meinem möchte ich hier beantworten.

1. Warum "outen" Sie sich in dem Lernprogramm so als Person? Gehört beispielsweise der persönliche Lebenslauf in ein solches Lernprogramm?

Lernprozesse leben auch von dem persönlichen Verhältnis zu einem Dozenten. Viele Lernsoftware leidet m.E. darunter, dass es sich hier um ein sehr anonymes Lernen handelt, bei dem man durch eine Maschine belehrt wird. Von daher glaube ich, es ist belebend, wenn die Person des Autors durch das Programm in Text und Gestaltung "durchschimmert".

2. Glauben Sie, dass dieses Lernprogramm Beurteilerschulungen ersetzen kann?

Nein. Bei Beurteilerschulungen geht es um viel mehr. Dieses Programm beschränkt sich auf die Kenntnisvermittlung. Bei Beurteilerschulungen geht es aber um die konkrete Änderung eines Verhaltens in einem sozialen Rahmen. Das Wissen, dass es so etwas wie einen "Milde-Effekt" gibt, ist an sich wenig wirksam. Nur wenn alle Beurteiler gemeinsam sich entschließen, realistische und differenzierende Beurteilungsmaßstäbe anzulegen, kann  die Beurteilungsgerechtigkeit wachsen. Für solche Abstimmungsprozesse sind Seminare nicht zu ersetzen. Ein derartiges Programm kann, wenn es beispielsweise zur Seminarvorbereitung eingesetzt wird, das Lernen innerhalb des Seminars intensivieren. Das Vorabdurcharbeiten eines solchen Programms erleichtert es, im Seminar selbst schnell eine gemeinsame Sprache zu finden.

Daneben ist dieses Programm so konzipiert, dass es sich auch für das "kleine Lernen so zwischendurch" am Arbeitsplatz eignet.

3. Warum nimmt die Geschlechterfrage einen so breiten Raum in dem Programm ein? Glauben Sie persönlich, dass Frauen immer noch in Beurteilungen benachteiligt werden?

Das ist keine Frage des Glaubens, es ist eine Frage der Statistik. Nach meinen Kenntnissen ist in vielen Behörden der Hierarchie-Effekt und die schlechtere Beurteilung der Teilzeitbeschäftigten offensichtlich. Da Frauen in den niedrigen Hierarchiestufen und bei den Teilzeitbeschäftigten überrepräsentiert sind, sind sie die Leidtragenden. Wenn man diese beiden eigentlich geschlechtsunspezifischen Benachteiligungen herausrechnet, wäre vielerorts - so meine Vermutung - keine Benachteiligung von Frauen mehr feststellbar. Ich halte aber die Aufklärung darüber, dass wir Menschen auch immer auf dem Hintergrund ihres Geschlechts und unserer Geschlechtsstereotypen beurteilen, für wissenschaftlich erwiesen und - auch unabhängig von der Diskriminierungsfrage - für beurteilungsrelevant.

 

4. Gibt es die Inhalte dieses Lernprogrammes auch in gedruckter Form?

Nein - das Programm lebt von seiner Interaktivität.

5. Wieviel Arbeitszeit haben Sie in dieses Programm investiert?

Wenn man interessante Ideen verwirklicht, schaut man nicht auf Stunden. Zudem: Das Programm ist eigentlich ein "Seminarabfall", die meiste Zeit steckt in der Vorbereitung der Seminare. Wenn man erprobte Seminarkonzepte hat, ist es gar nicht so aufwendig, diese in ein solches Lernprogramm umzusetzen. Die Erstellung von Web-Seiten ist dank der modernen Programme nicht schwieriger als die Gestaltung einer Folie. Ich möchte allen Dozenten und Dozentinnen Mut machen, sich diesen neuen Vermittlungsformen zu öffnen.

 

6. Wird das Programm von Institutionen bereits eingesetzt?

Dieses Lernprogramm haben einige Länder, wie z. B. Berlin, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, und einige mittelständische Unternehmen bereits in ihr Intranet übernommen. Einige Behörden setzen es gezielt für die Vorbereitung von Beurteilerschulungen ein.

Die Fernuni-Hagen stellt das Programm  den Studenten der Veranstaltung "Einführung in die Psychologie" auf einer CD-ROM zur Verfügung.

Des weiteren: Mich hat gewundert, aus welch vielfältigen Bereichen die Nutzungsanfragen kommen, z.B. von Kirchenverwaltungen, von Krankenhäusern, von Lehrerbildungseinrichtungen oder  aus der Erzieher-Ausbildung. Die angesprochenen Phänomene der Personeneinschätzung  sind nicht nur im Verhältnis Vorgesetzter - Mitarbeiter von Bedeutung.
copyright: Dr. Frank Dulisch
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